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Marktinfrastruktur

Tokenisierung und Pontes: Was sich in der Wertpapierabwicklung wirklich verändert

Warum tokenisierte Wertpapiere vertraute Anlegerprozesse und neue technische Abläufe verbinden – und wo Kosten tatsächlich entstehen.

Malco Lara Del Pozo · Stand: · 3 Min. Lesezeit

Moderne Glasfassaden eines Finanzviertels im Morgenlicht
Illustratives KI-generiertes Motiv.

Für wenVerantwortliche in Wertpapierprozessen

Das nehmen Sie mitTokenisierung an Geldseite, Verwahrung und Gesamtkosten beurteilen.

Was Pontes konkret beiträgt

Mit Pontes können tokenisierte Transaktionen im Großkundengeschäft in Zentralbankgeld abgewickelt werden. Die EZB beschreibt den Start vom 21. September 2026 als ersten Schritt einer schrittweisen Einführung. Funktionen und Betriebszeiten sollen weiterentwickelt werden. Das ist deshalb relevant, weil eine digitale Wertpapierseite allein noch keine vollständige Abwicklungslösung ergibt. [1]

Wer einen Token erhält, muss auch wissen, welche Rechte damit verbunden sind und wie die Gegenleistung erbracht wird. Bei einer Wertpapiertransaktion gehören die Lieferung des Vermögenswerts und die Zahlung zusammen. Unterschiedliche Systeme müssen diesen Zusammenhang nachvollziehbar und zuverlässig herstellen.

Wird der Token einfach ein weiteres Wertpapier?

Die Aussage trifft einen wichtigen Punkt, wenn ein Token tatsächlich ein Wertpapier repräsentiert: Anleger erwarten einen verständlichen Kaufprozess, einen verlässlichen Bestand und korrekt verarbeitete Erträge. Ob sich im Hintergrund ein traditionelles Register oder eine DLT-Infrastruktur befindet, muss im Alltag nicht sichtbar sein.

Technisch und rechtlich ist die Aussage aber zu weit, wenn sie auf jeden Token übertragen wird. Ein Token ist zunächst eine digitale Darstellungsform. Seine Rechte und seine Einordnung hängen von der konkreten Gestaltung ab. Auch tokenisierte Wertpapiere müssen nicht exakt dieselben Prozessschritte wie heutige Wertpapiere durchlaufen. [2]

Wo Kostenvorteile entstehen können

Unsere fachliche Einordnung: Ein gemeinsamer Datenstand und automatisierte Verarbeitung können Abstimmungen vereinfachen. Ein belastbarer Business Case berücksichtigt aber zusätzlich Integration, Betrieb, Kontrollen, Verwahrung und den Umgang mit Ausnahmen. Weniger einzelne Prozessschritte bedeuten nicht automatisch geringere Gesamtkosten.

Vergleichen Sie daher für eine konkrete Transaktion den bisherigen Ablauf mit dem angestrebten Ablauf. Wer erfasst Daten? Wer prüft Rechte und Bestände? Wie werden Ausschüttungen, Kapitalmaßnahmen und Fehler bearbeitet? Welche Aufgaben entfallen tatsächlich, und welche kommen neu hinzu?

Was Verantwortliche jetzt klären sollten

  • Welcher Anspruch wird tokenisiert, und welches Register ist maßgeblich?
  • Wie werden Geld- und Wertpapierseite verbunden?
  • Wer übernimmt Verwahrung, Schlüsselverwaltung und Wiederherstellungsverfahren?
  • Wie gelangen Bestände, Erträge und Kapitalmaßnahmen in Buchhaltung und Reporting?
  • Welche messbare Verbesserung rechtfertigt den zusätzlichen Aufwand?

Ein einfacher Kostenvergleich für Ihren Anwendungsfall

Fiktives Rechenbeispiel: 10.000 Vorgänge verursachen im bisherigen Ablauf jeweils 4 Euro Prozesskosten, zusammen 40.000 Euro pro Jahr. Würde der neue Ablauf 2,50 Euro je Vorgang kosten, ergäben sich zunächst 15.000 Euro rechnerische Einsparung. Kommen jährlich 12.000 Euro für Integration, Betrieb und Kontrollen hinzu, verbleiben nur 3.000 Euro laufender Vorteil.

Bei zusätzlich 60.000 Euro einmaligen Einführungskosten läge die einfache rechnerische Amortisation bei 20 Jahren: 60.000 ÷ 3.000. Die Rechnung ignoriert unter anderem Finanzierung, Steuern, Wachstum und Veränderungen im Betrieb. Sie ist keine Marktprognose und beschreibt kein konkretes Pontes-Angebot. Sie zeigt, weshalb Stückkosten allein keine Investitionsentscheidung tragen.

Der Beitrag von MLDP

Der Bereich Kapitalmarktinfrastruktur-Updates ordnet solche Entwicklungen für die Praxis ein. M-LDP Consulting verbindet diese Einordnung mit Erfahrung in Wertpapierprozessen und Projektumsetzung. Ausgangspunkt ist ein klar abgegrenzter Anwendungsfall mit benannten Beteiligten, Abhängigkeiten und überprüfbaren Ergebnissen.

Häufige Fragen

Macht Tokenisierung Verwahrstellen überflüssig?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Verwahrung, Kontrollpflichten und rechtliche Verantwortung müssen für die jeweilige Struktur geklärt werden.

Bedeutet Tokenisierung automatisch sofortige Abwicklung?

Nein. Zeitpunkte hängen unter anderem von Infrastruktur, Geldseite, Betriebszeiten und vertraglichen Regeln ab.

Wie berechne ich den Nutzen eines Tokenisierungsprojekts?

Vergleichen Sie bei gleichem Leistungsumfang die gesamten laufenden Kosten und die einmalige Umstellung. Ergänzen Sie qualitative Ziele wie Fehlerreduktion oder Nachvollziehbarkeit und legen Sie fest, wie deren Erreichung geprüft wird.

Quellen und Hintergrund

  1. EZB: Start von Pontes, 21.09.2026
  2. Financial Stability Board: The Financial Stability Implications of Tokenisation, 22.10.2024

Quellen geprüft am 03.10.2026. Praktische Vorschläge und Beispiele sind eigene redaktionelle Einordnungen von MLDP VALUE.

Fachliche Einordnung; die rechtliche Behandlung hängt von der jeweiligen Struktur ab.